200 Jahre „Stille Nacht“ – die Geschichte des wahrscheinlich weltweit beliebtesten Weihnachtsliedes

Der Text für das Weihnachtslied Stille Nacht bekam die heute so beliebte Melodie erst zwei Jahre nach seiner Entstehung. Heute ist die gesungene Friedensbotschaft weit über das Zillertal und Salzburg hinaus berühmt. Inzwischen werden die Strophen während der Adventszeit in vielen Sprachen der Welt gesungen.

Die Bedeutung des Liedes Stille Nacht

Hinter den Strophen für das Weihnachtslied Stille Nacht verbirgt sich eine tiefe Sehnsucht nach Ruhe im Land. Denn damals 1816 waren endlich die Kriegszeiten vorüber. Gleichzeitig erfuhren Salzburg und das Zillertal eine komplette Neuordnung mit veränderten Grenzen. Der Hilfspriester Josef Mohr war neu von Mariapfarr nach Oberndorf gezogen und litt noch immer emotional unter den Folgen der bayerischen Besatzung. Aus dieser tiefen Suche nach Ordnung textete er eine Friedensbotschaft, die ganz besonders in der vierten Strophe des Originaltextes ausgedrückt wird. Im Laufe der Zeit veränderten sich die Strophen des Weihnachtsliedes Stille Nacht in Anzahl und Text. Ursprünglich waren es sechs, die in der Adventszeit beim Krippenspiel gesungen wurden. Die ursprüngliche christliche Bedeutung der Friedensbotschaft übernahmen andere Interpreten über kirchliche Grenzen hinaus. Der Wunsch nach Friede auf Erden ist auch in modernen Zeiten in allen Menschen weiterhin lebendig.

Der Liedinhalt von Stille Nacht

Der Liedinhalt des Weihnachtsliedes ist eine Ansprache an Jesus Christus (holder Knab‘ im lockigen Haar) und seine Eltern (das traute heilige Paar). Mohr verbindet mit der Bitte um Stille (himmlische Ruh) ein Gebet für Frieden in aller Welt und zwischen allen Völkern. In Teilen der Strophen zeichnet der Texter zugleich das winterliche Bild der damaligen Weihnacht. Dadurch wird noch intensiver die Stille ausgedrückt, die für alle Menschen nun so wichtig ist. Mit in den Liedinhalt von Stille Nacht ist der Glaube an die Erlösung durch Jesus Christus eingebunden. Auch den Vorvätern wird in einer der Strophen gedacht. Schließlich endet das Weihnachtslied mit einem Jubeln der Engel und nochmals der Bitte, den neugeborenen Retter zu beschützen.

Stille Nacht! Heilige Nacht! Der Liedtext

1. Stille Nacht! Heilige Nacht! Alles schläft; einsam wacht Nur das traute heilige Paar. Holder Knab im lockigten Haar, Schlafe in himmlischer Ruh! Schlafe in himmlischer Ruh!

2. Stille Nacht! Heilige Nacht! Gottes Sohn! O wie lacht Lieb´ aus deinem göttlichen Mund, Da uns schlägt die rettende Stund` Jesus in deiner Geburt! Jesus in deiner Geburt!

3. Stille Nacht! Heilige Nacht! Die der Welt Heil gebracht, Aus des Himmels goldenen Höhn Uns der Gnaden Fülle läßt seh´n Jesum in Menschengestalt, Jesum in Menschengestalt

4. Stille Nacht! Heilige Nacht! Wo sich heut alle Macht Väterlicher Liebe ergoß Und als Bruder huldvoll umschloß Jesus die Völker der Welt, Jesus die Völker der Welt.

5. Stille Nacht! Heilige Nacht! Lange schon uns bedacht, Als der Herr vom Grimme befreit, In der Väter urgrauer Zeit Aller Welt Schonung verhieß, Aller Welt Schonung verhieß.

6. Stille Nacht! Heilige Nacht! Hirten erst kundgemacht Durch der Engel Alleluja, Tönt es laut bei Ferne und Nah: Jesus der Retter ist da! Jesus der Retter ist da!

Texter und Komponist von Stille Nacht

1816 schrieb Joseph Mohr – noch in seiner alten Gemeinde Mariapfarr – den Text Stille Nacht als Gedicht. Es dauerte aber noch zwei Jahre, ehe er den Text dem Komponisten Franz Xaver Gruber überreichte. Dieser erfüllte ihm Jahr 1818 die Bitte und komponierte die Melodie zum Gedicht. Schließlich sangen die Beiden das Lied erstmals am Weihnachtsabend. Von der St. Nikolaus Kirche in Oberndorf bei Salzburg traten die Melodie und der Text damit eine buchstäbliche Weltreise an. Kirchenchöre und klassische Sänger tragen in der Adventszeit die Strophen in veränderter, meist kürzerer Form vor. Teilweise wurden Textpassagen dem heute üblichen Sprachgebrauch angepasst. Das die ursprüngliche Komposition aus der Not heraus entstand, ist zu vermuten. Eigentlich hätte das Weihnachtslied nämlich auf der kleinen Kirchenorgel gespielt werden sollen. Diese war jedoch defekt. Also entstand eine mehrstimmige Melodie für Gitarrenbegleitung.

Joseph Mohr

(1792 - 1848)

Joseph Mohr wurde am 11. Dezember 1792 in Salzburg geboren. Er war das Kind der Strickerin Anna Schoibor und des fahnenflüchtigen Musketiers Franz Joseph Mohr. Josephus Franciscus kam unehelich zur Welt und erhielt deshalb den Namen seines Vaters. Seine Mutter gebar insgesamt vier uneheliche Kinder. Bekannt wurde Joseph Mohr als Textdichter des Weihnachtsliedes „Stille Nacht, heilige Nacht“.

Franz Xaver Gruber

(1787 - 1863)

Ende des 18. Jahrhunderts wurde Franz-Xaver Gruber, zur Zeit der Aufklärung, in der Innviertler Gemeinde Hochburg in Österreich geboren. Er verdiente seinen Lebensunterhalt als Dorfschullehrer, Kantor, Organist und Komponist. Er komponierte am 24. Dezember 1818 die Melodie für den Liedtext eines der weltweit bekanntesten Weihnachtslieder: „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ Musikerkollegen, die aus dieser Zeit bekannt sind, sind unter anderem Franz Liszt (1811-1886), Anton Bruckner (1824-1896) und Johann Strauss (1825-1899).

Veranstaltungen rund um das Weihnachtslied „Stille Nacht“

Derzeit laufen die Vorbereitungen für die Sonderausstellung zu 200 Jahren Stille Nacht in Salzburg. Aber auch in Oberndorf und anderen Orten im Zillertal bereiten sich Kirche und Kultur intensiv auf den besonderen Jahrestag vor. Es werden Festgottesdienste abgehalten, Jubiläumsbücher herausgebracht und Theaterstücke inszeniert. In Vorträgen gehen Chronisten auf die Spuren von Mohr und Gruber, geben historische Einblicke in Zeit und Region. Gemäß dem Liedwunsch und dessen Bedeutung werden außerdem Wechselausstellungen zur Friedensbotschaft eröffnet. Das Highlight wird auch im 200. Jahr sein, wenn das Weihnachtslied Stille Nacht während der Weihnachtsmessen gesungen wird. Die meisten Veranstaltungen finden in Oberndorf, Arnsdorf, Hallein und Salzburg statt. Mit Laternenwanderungen zur Adventszeit, mit Lichtinstallationen und Oratorien wird dem Liedinhalt und seiner Beliebtheit seit 200 Jahren gedacht.

Fazit:

Vor 200 Jahren entstand das Weihnachtslied Stille Nacht als Friedensbotschaft. Seit seiner Vertonung wurde es weltweit zum Dauer Hit. Die Sehnsucht nach Stille in der Adventszeit und Frieden für immer empfinden Menschen auch in modernen Zeiten gleichermaßen.