Stille Nacht – heutige Bedeutung und Wichtigkeit

Als das Weihnachtslied Stille Nacht, Heilige Nacht getextet und komponiert wurde, lebten die Menschen im Zeitalter der Aufklärung. Die Bedeutung des Liedes im Sinne von Weihnachtsfrieden und sicheren Zeiten machte es ab dem ersten Vortrag in der St. Nikolaus Kirche Oberndorf zur globalen Friedensbotschaft. Seither haben sich die gesungenen Zeilen leicht verändert. Aber die Wichtigkeit seiner Botschaft ist auch in unserem Zeitalter nicht zu verkennen.
Weihnachtslied „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ mit langer Tradition

Kriegszeiten, Armut und neue Grenzverläufe waren zur Zeit der Entstehung des Liedes an der Tagesordnung. Auch in Joseph Mohr, dem Textverfasser, war die Sehnsucht nach Stille und Frieden groß. Wie sehr sein eigener Wunsch die Herzen aller Menschen auf aller Welt erreichte, ahnte er zu jener Zeit noch nicht. Doch nachdem er es mit dem Komponisten Franz Xaver Gruber in seiner Heimatkirche sang, wurde es für alle Weihnachten zum beliebtesten Lied erkoren. Heute gibt es Fassungen des Textes mit unveränderter Melodie in mehr als 300 Sprachen. So beginnt das heutige Welt-Friedenslied und Weihnachtslied bei den arktischen Inuit mit „Jutdlime Kimsugtut“. Die Tradition dieses Liedes und seine Beliebtheit gehen auf diesen einen, nie erfüllten Wunsch nach Frieden auf Erden, also für alle Menschen und Völker, zurück. Wenn jemals friedliche Zeiten stabil schienen, dann eben bis heute niemals überall auf der Welt. Aus diesem Grund werden Menschen weltweit auch die nächsten 200 Jahre zu Weihnachten noch in der Heiligen Nacht um die so ersehnte Stille beten.

Bedeutung des Liedtextes für die Menschen seiner Entstehungszeit und -region

Hunger, Krankheiten und militärische Besetzung lagen hinter den Menschen in der Adventszeit 1816 bis 1818. Gerade wurden Grenzen wieder neu bestimmt. Das Zillertal zerriss zwischen neuen Landesherren und bot den Einwohnern nur allmählich Erholung von den früheren Tumulten. In der Region war die Kirche außer Gebetsort auch ein Treffpunkt für die Menschen der Gemeinde. Sie alle kamen immer zu Weihnachten hier zusammen, um für Frieden zu beten – wenigstens für ein paar Tage, am liebsten jedoch für immer. Dieses Treffen hatte in Oberndorf wie in der katholisch geprägten Region des Zillertals eine jahrhundertealte Tradition. In genau diesem Jahr, als das Lied erstmals vorgetragen wurde, war die Sehnsucht nach Erholung und besseren Zeiten besonders stark. Die Worte ihres Priesters in Kombination mit der einfachen, eingängigen Melodie schienen ihnen aus der Seele zu sprechen. Das war zu damaligen Zeiten auch die Aufgabe des Gemeindepriesters – Worte zu finden, in denen sich die Nöte, Wünsche und Befindlichkeiten seiner Gemeindemitglieder wiederspiegeln. Alle Menschen hatten sich an jenem Weihnachtsabend versammelt, um ihre Sehnsucht zu teilen und den Glauben an eine bessere Zukunft zu stärken.

Heutige Übersetzungen auf allen Kontinenten

In der deutschen Fassung enthält das Lied Stille Nacht sechs Strophen. Gesungen werden davon vielerorts nur drei. In anderen Sprachen variiert die Länge des übersetzten und gesungenen Liedes zwischen drei und sechs. In England sind es ebenfalls wieder sechs Strophen, in den Niederlanden vier. Die Japaner stimmen die drei Strophen des Liedes mit Kiyoshi „kono yoru hoshi wa hikari“ an. Auch in Italien werden lediglich drei Strophen gesungen. Am kürzesten fassen sich die Ungarn. Ihre Version des Weihnachtsliedes „Csendes az Ej“ endet schon nach einer Strophe mit „Almod aldottt legyen“. Aber nicht die Länge des Liedes, sondern seine Bedeutung für die Menschen in über 300 Ländern wichtig. Vor allem in christlich orientierten Ländern lebt noch heute die tiefe Hoffnung, in der Heiligen Nacht von früheren Plagen befreit zu werden. Alle innigen Wünsche richten sich auf dieses eine geborene Kind, das in der Bibelgeschichte als Messias, als Erlöser angekündigt wird. Endlich also ist er angekommen, und Stille Nacht wird als Freudenlied gesungen.

Übernahme des Weihnachtsliedes in das UNESCO Kulturerbe

Zum Bewahren von Kulturgütern gibt es in der UNESCO ein eigenes Welterbe-Komitee. Mitglieder dieses Komitees sind weltweit damit beauftragt, wertvolle menschliche Errungenschaften materieller und nichtmaterieller Art zu begutachten und dem Erbe der Menschheit zuzuordnen. Von diesem Komitee wurde das Lied speziell für Österreich als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Dieser Begriff beschreibt Ausdrucksformen des Menschen wie Sprache und Gesang, die ab ihrer Erschaffung an die jeweils nächste Generation weitergegeben werden. Dabei sind Veränderungen und Neuschaffungen ein und derselben Sache dem Begriff nach zulässig, so lange die ursprüngliche Bedeutung des Kulturgutes erhalten bleibt. Alle Kriterien treffen auf Stille Nacht zu. Es wurde übersetzt, in der Intonation verändert, in Gesangbüchern abgedruckt, in der klassischen Musik ebenso wie in der Popmusik adaptiert. Spielfilme und Dokumentarfilme greifen Entstehung, Inhalt und Bedeutung auf. Selbst aus Weihnachtsfilmen sind wenigstens gesungene Frequenzen des Liedes weltweit nicht wegzudenken.

Inhaltliche Bedeutung des Liedes für den “Geist von Weihnachten“ in unserer Zeit

Der Wandel der Lebensansprüche führt in modernen Industrienationen zu einem immer hektischeren Zeitgeist. So flüchtig wie das Internet sind auch die Gewohnheiten im Alltag. Die meisten Menschen haben kaum noch Zeit für Stille, geschweige denn inneren Frieden. Selbst während der Adventszeit kommt Hektik auf, um die Heilige Nacht zu einem Fest zu gestalten. Gerade vor diesem Zeitgeist ist das Lied Stille Nacht mehr als der Wunsch um Weihnachtsfrieden. Auch sozialer Frieden in jeder Familie und jeder einzelnen Person soll damit einkehren. Ganz andere Probleme haben die Menschen in Ländern der Dritten Welt. Sie stehen tagtäglich unter Druck, und zwar vielfach ums pure Überleben. Wenn sie das Lied anstimmen, beten sie um „einfache“ Gaben wie genügend Essen, ein Dach über dem Kopf und Gesundheit. In vielen der ärmsten Länder plagen zusätzlich Naturkatastrophen die Menschen. Das Lied ist hier ein Gebet, dass Jesus Christus nach seiner sehnlich erwarteten Geburt doch hier bessere, stillere Zeiten und eine berechenbare Natur schafft.

Liedbedeutung vor dem Hintergrund von Kriegen und politischen Unruhen

In Kriegsgebieten ist Weihnachten weder still noch den kriegsführenden Gegnern heilig. Dennoch gibt es in manchen Truppen den Brauch, wenigstens während der Heiligen Nacht die Waffen ruhen zu lassen. Aber auch jetzt sind viele Hilfskräfte im Dauereinsatz, zur Versorgung Verletzter und betroffener Menschen im Kriegsgebiet. Die Zivilbevölkerung versucht trotz aller Unsicherheit, einen Ruhepunkt zu finden. Das Bangen um Leib und Leben bestimmt hier den Alltag. Dennoch finden sich auch dort Menschen am Heiligabend zusammen und singen Stille Nacht. Das Weihnachtslied bedeutet hier einerseits die Bitte um Frieden, den der frisch geborene Messias bringen soll. Andererseits verbindet das Singen des Liedes die Betroffenen in Trotz gegen die widrigen Umstände. Gleichzeitig stärkt die Gewissheit die Menschen, dass weltweit vielleicht sogar zur gleichen Stunde die gleichen Strophen mit den gleichen Wünschen gesungen werden. „Jesus die Völker der Welt“ und „Aller Welt Schonung verhieß“ sind Zeilen, die seit der Liedentstehung als Friedensbotschaft ausgesprochen werden. Je zerrissener Kriegs- und Friedensgebiete, desto inniger hoffen alle „Jesus, der Retter ist da!“

200 Jahre nach der Entstehung ist dieses Ziel von Frieden für alle Welt weiterhin nicht erreicht. Aber so lange das Lied in mehr als 300 Sprachen gesungen wird, besteht weiter die Hoffnung darauf.

Auffassung von Weihnachtsfrieden zu Friedenszeiten

Nicht nur Kriege und politische Unruhen plagen außerhalb der Weihnachtszeit die Menschen. In dieser stillen Zeit kommen auch die Menschen in eigentlich friedlichen Industrienationen einmal zur Ruhe. Viele Familien sehen sich traditionell nur an diesem einen Tag im Jahr. Andere Menschen verbringen den Heiligabend einsam. Der Beruf verlangt genau jetzt von Vielen Arbeit trotz Weihnachtszeit. Insgesamt ist das gesamte gesellschaftliche Verhalten in friedlichen Ländern so hektisch, dass genau dieses Weihnachtslied wie ein Ruhepol wirkt. Der Treffpunkt Kirche ist hier weiterhin für Christen wie ein Ausstieg aus dem sonstigen Zeitgetriebe. Einmal für wenige Stunden zählt nur der Gedanke an Frieden, wenn auch hier in einer anderen Bedeutung, nämlich eher den inneren Frieden.

In einigen Ländern drohen gerade zur Weihnachtszeit Naturkatastrophen. Und nicht selten beten die Christen in solchen Regionen mit dem bekannten Weihnachtslied für künftig ruhigere Wetter, für ihr Überleben in der Not und für den Erhalt ihres Obdachs.

Menschliche Bedeutung über kirchliche Auffassungen hinaus

Üblicherweise werden Kirchenlieder vom Kirchenchor oder Gläubigen gesungen. Bei diesem Lied ist es anders. Stille Nacht singen Menschen daheim unter dem Weihnachtsbaum, auf der Straße oder auf Bühnen. Auch diejenigen, die nicht an Erlösung durch einen himmlischen Retter glauben, identifizieren ihre eigene, tiefe Sehnsucht mit der Gesamtaussage des Liedes: Endlich ruhen, vielleicht schönere Zeiten erleben – oft steckt hinter dem innigen Gesang eine ganz persönliche Not.

Schließlich wäre es schön, wenn tatsächlich die Menschen aller Völker nicht so viel streiten oder gar einander ablehnen würden. Selbst der Handel und die Öffentlichkeit haben mindestens die Melodie ohne kirchlichen Hintergrund adaptiert. Wenn die Besucher und Angestellten das Lied „Stille Nacht“ hören, wissen sie, dass jetzt wenigstens einige Tage der Ruhe vor ihnen liegen. Dieser Gedanke löst fast bei Allen stille Freude aus. Das Singen des Liedes durch Nichtchristen macht den alljährlichen, seit historischen Zeiten erstrebten Weihnachtsfrieden zur Hoffnung weit über christliche Auffassungen hinaus. Es verbindet auch diejenigen, die gemeinsam singen. Damit ist der Text „Jesus, die Völker der Welt“ zeitlos wichtig für alle Menschen.

Fazit

Das Weihnachtslied Stille Nacht enthält in seinem Ursprungstext eine tiefe Bedeutung für den ersehnten Weihnachtsfrieden. Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass das Lied 200 Jahre später immer noch eine Gesangstradition am Heiligabend ist. In über 300 Sprachen beten Christen und Nichtchristen jedes Jahr für Frieden allgemein, im politischen oder in ihrem ganz persönlichen Sinn.