Vom Zauber stiller Nächte

Weihnachten – Zeit der Liebe und der Besinnung auf die Familie. Zeit der traditionellen Gerichte und Naschereien, der Lichter, Gesänge und Geschichten. Vielleicht sogar Zeit der dicken, weichen weißen Schneeflocken, die alles in ein festliches Gewand kleiden und jedes laute Geräusch still werden lässt. Das Glockenspiel der Kirchen ruft zur Einkehr und ein Chor erhebt seine Stimme zum weltweit bekanntesten Weihnachtslied: „Stille Nacht, heilige Nacht / alles schläft, einsam wacht / nur das traute hochheilige Paar / holder Knabe mit lockigem Haar / schlaf in himmlischer Ruh.“ Dieses Lied gehört einfach zu all den weihnachtlichen Traditionen dazu, zu der Vorstellung vom perfekten Weihnachten, genauso wie Lebkuchen, Weihnachtsbaum und Krippenspiel.

Ein Lied geht um die Welt

Seit wann dieses Lied den Weihnachtstagen Festlichkeit verleiht, ist tatsächlich historisch belegt. Am 24. Dezember 1818 wurde es in der Schifferkirche St. Nicola in Oberndorf bei Salzburg (Österreich) uraufgeführt. Der Hilfspfarrer Joseph Moor bat den Lehrer und Organist Franz Xaver Gruber ein von ihm verfasstes Gedicht zu vertonen. Vom Kirchenchor ausgehend wanderte das Lied nun durch den anwesenden Orgelbaumeister zu anderen Chören, von dort aus in die Privathäuser des Adels und Bürgertums und bald auch in die Liederbücher.

Doch warum feiern wir eigentlich Weihnachten und warum hat es einen so hohen Stellenwert im Jahreslauf, auch wenn wir nicht konfessionell gebunden sind?

Was Historiker über das Weihnachtsfest wissen

Wie so oft sind auch beim Thema Weihnachten die Gelehrten nicht immer einer Meinung. Doch eine These taucht immer wieder in den Schriften auf: Im Jahre 336 u. Z. legte Kaiser Aurelian in Rom als reichsweiten Feiertag zu Ehren des Sonnengottes „Sol Invictus“ den 25. Dezember fest. Mit dem Aufkommen des Christentums wurden allerorten die ursprünglich heidnischen Feste „überformt“ und von den Kirchenleuten als eigene Feiertage genutzt. Weihnachten gehörte mit Ostern und Pfingsten zu den Hauptfesten des Kirchenjahres. Die kirchliche Weihnachtzeit ist viel länger, als den meisten von uns bewusst ist. Sie geht vom ersten Gottesdienst, der Christmette an Heiligabend (24.12.) bis Mariä Lichtmess am 2. Februar. In unseren modernen Zeiten gilt jedoch meist der 6. Januar (Dreikönigstag) als richtiger Zeitpunkt dafür, den Festschmuck wieder auf den Boden zu verbannen und den Weihnachtsbaum vor die Tür zu stellen. Unser heutiges Fest, so wie wir es kennen, geht auf eine Initiative Martin Luthers zurück. Im Jahr 1535 sorgte er dafür, dass die Sitte des Geschenkemachens vom Nikolaustag am 6. Dezember auf den Heiligabend verlegt wurde. Damit wollte er das Fest für die Kinder eindrücklicher machen, um die Bedeutung der Geburt Jesu für sie zu veranschaulichen.

Wer war Jesus von Nazareth?

Das Kind, dessen Geburt am 24. Dezember im Stall von Bethlehem noch bis heute feiern war Jesus von Nazareth. Bibelforscher gehen davon aus, dass es sich um eine reale Person handelte. Seine Geschichte wird in der Bibel erzählt, genauer im Lukas- und Matthäus-Evangelium. Die schwangere Maria und ihr Mann Josef sind auf dem Weg zu einer Volkszählung, die König Herodes angeordnet hat. In Bethlehem angekommen, setzen bei Maria die Wehen ein. In allen Gasthäusern abgewiesen, muss Maria ihren kleinen Sohn in einem Stall, im Beisein von Ochs´ und Esel zur Welt bringen. Es ist ihr bewusst, dass Jesus ein besonders Kind ist, denn die Empfängnis erfolgte auf „übernatürlichem“ Weg, Josef jedenfalls hatte nichts damit zu tun. Und so erscheint ein Stern über dem Stall, der die Geburt von „Gottes Sohn“ verkündigt. Und sogleich eilen auch die Heiligen drei Könige aus dem Morgenland herbei, Caspar, Melchior und Balthasar, die Geschenke bringen. Auch heute noch haben diese drei eine wichtige Aufgabe. Am Dreikönigstag überbringen sie Friedensbotschaften, Gesänge und Segen (meist sind es Kinder, die diese Rolle übernehmen) und hinterlassen über den Eingangstüren ein mit Kreide gemaltes C+M+B zum Schutz fürs neue Jahr. Johannes der Täufer trägt die Kunde von der Geburt des „Heilands“ in die Welt, woraufhin König Herodes beschließt, alle männlichen Kleinkinder unter zwei Jahren ermorden zu lassen um den „neugeborenen König der Juden“ zu töten. Jesus und seiner Familie gelingt die Flucht nach Ägypten und er kann seiner Berufung folgen. Jesus wird Prediger und verkündet das Gottesreich, in dem ein allmächtiger Gott die Geschicke der Welt leiten würde. Damit begründet er das Christentum. Als seine Anhängerschaft zu groß wird, verurteilt ihn der römische Präfekt Pontius Pilatus zu Steinigung und Tod am Kreuz. Doch als Gottes Sohn wird ihm die Wiederauferstehung gewährt.
Damit wären wir jetzt allerdings schon beim Osterfest angelangt, also schnell wieder zurück zu der Nacht im Bethlehemer Stall. Diese Szene ist nicht nur Schauplatz des Liedes „Stille Nacht“, sondern erfreut sich bis heute bei den Krippen-, Spieluhren- und Pyramidenbauern größter Beliebtheit.

Lichterglanz im Advent

Doch nicht nur Krippenspiele schmücken vom ersten Advent an die hiesigen Wohnzimmer. Auch ein Adventskranz gehört oft dazu. Mit seinen vier Kerzen weist er auf das Licht hin, das durch Christus auf die Welt gekommen ist. Licht spielt eine sehr große Rolle bei den Weihnachtsbräuchen, fällt der Advent und das Christfest in Europa doch in die dunkelste Zeit des Jahres, schließlich ist am 21. Dezember die längste Nacht zu verzeichnen. Weit verbreitet sind Herrnhuter Sterne, die in Anlehnung an den Stern von Bethlehem entstanden sind. In vielen Fenstern stehen nun Schwibbögen. Diese entstammen einer alten Bergarbeitertradition – Frauen stellten ihren Bergmännern Lichter ins Fenster, um ihnen den Weg nach Hause zu weisen. Auch die Tradition des Friedenslichtes wird vielerorts gepflegt – eine Flamme, die von Bethlehem ausgehend in die Kirchen getragen und dort von den Gläubigen, an einer eigenen Kerze entzündet, mit in die Häuser gebracht wird. Beliebt bei den Kindern sind die Adventskalender, die die Wartezeit auf Weihnachten mit einer kleinen Tagesüberraschung versüßen. Viele Weihnachtsbräuche liegen schon in der Adventszeit, der „adventus domini“ (Ankunft des Herrn). Sie beginnt am ersten Sonntag zwischen dem 27. November und dem 3. Dezember und dauert zwischen 22 und 28 Tagen. Die vier Sonntage stehen symbolisch für 4000 Jahre, die die Menschen nach dem Sündenfall auf ihren Erlöser warten mussten. Für Christen beginnt am ersten Adventssonntag das neue Kirchenjahr und die Vorbereitung auf das Fest der Geburt Christi. Ursprünglich galt ja die Adventszeit als Fastenzeit. Doch diese Tradition hat sich nicht überliefert. Ganz im Gegenteil – zu keiner Zeit wird hier mehr geschlemmt als im Dezember.

Von Weihnachtskeks bis Gänsebraten

Ein Relikt der ehemaligen Fastenzeit ist der Weihnachts- beziehungsweise Silvesterkarpfen. Da kein Fleisch auf den Tisch kommen sollte, entschied sich die Köchin für ein Fischgericht. Die Schuppen des Karpfens sollen Glück bringen. Eine davon ins Portemonnaie gesteckt und das Geld geht übers Jahr nicht aus. Heiligabend ist für die meisten Deutschen noch nicht ganz so üppig. Klassischerweise stehen Würstchen und Kartoffelsalat auf der Speisekarte. Soll das Essen ein bisschen geselliger sein, dann gibt es Fondue oder Raclette. Dies aber auch oft an Silvester. Die klassische Weihnachtsgans hat ihren Auftritt am 25. und 26. Dezember, begleitet von Rotkohl und Kartoffelklößen. Allerdings wird immer häufiger statt der großen Gans eine kleinere Ente bevorzugt, die nicht ganz so fettreich daherkommt. Schon in der Adventszeit geht es mit der Weihnachtsbäckerei los. Am beliebtesten bei den Deutschen sind Vanillekipferl, Kokosmakronen und Zimtsterne. Nicht zu vergessen natürlich die Leb-, Honig- beziehungsweise Pfefferkuchen. Ob es nun die berühmten reichhaltigen Nürnberger Lebkuchen sind oder die würzigen Pulsnitzer Pfefferkuchen – das Backwerk hat eine lange Tradition und Pfefferküchler ist ein ganz eigener Berufsstand. Da lohnt es, sich einmal quer durch das Sortiment zu kosten und seine persönlichen Lieblinge zu küren. Mehl, Nüsse, ganz viel Honig, manchmal Schokolade, Marmelade, Zuckerguss und diese ganz besondere Gewürzmischung aus Zimt, Anis, Fenchel, Kardamom, Piment und Nelke. Letztere gibt auch dem Glühwein seine charakteristische Weihnachtsnote. Auf den Weihnachtsmärkten kann man die unterschiedlichsten Varianten probieren. Rotwein, Rum, einen Zuckerhut und ein Feuerzeug braucht man stattdessen für die berühmte Feuerzangenbowle. Aber Achtung – Weihnachtsgetränke haben es meist ganz schön in sich. Wer am nächsten Tag einen klaren Kopf haben möchte, sollte sich Vorsicht walten lassen.

Christkind oder Weihnachtsmann?

Für Kinder ist die Bescherung der Höhepunkt des Weihnachtsfestes. In Europa wird der Brauch des Beschenkens sehr unterschiedlich gehandhabt. In Deutschland, Österreich und der Schweiz wird am Heiligabend beschert. In Großbritannien dagegen erst am Weihnachtsmorgen des 25. Dezembers. In Russland bekommen die Kinder an Neujahr ihre Geschenke und spanische Kinder müssen sogar bis zum 6. Januar, dem Dreikönigstag warten. Doch wer bringt denn die Geschenke? Rutscht der Weihnachtsmann durch den Kamin oder huscht das Christkind still und leise durch den Raum und macht sich nur durch ein leises Glockenläuten bemerkbar? Durch Deutschland zieht sich eine Grenze. Südlich erwartet man das goldgelockte Engelskind, weiter nördlich hingegen den Mann mit Rauschebart. Was aber in fast jedem Haushalt zu finden ist, ist der Tannenbaum. Früher nur an Fürstenhöfen und Kirchen zu sehen, hielt er seinen Einzug zu Beginn des 19. Jahrhunderts auch in die Häuser des Bürgertums. In Deutschland werden jedes Jahr so viele Tannenbäume verkauft, dass es theoretisch in jedem Haushalt 7,5 Tannenbäume geben müsste.

Im Weihnachtswunderland

Die Advents- und Weihnachtszeit erhält ihren besonderen Zauber auch durch die liebevollen und üppigen Dekorationen mit denen sich die privaten Haushalte genauso wie die öffentlichen Plätze und Geschäfte herausputzen. Räuchermännchen und Lichtersterne, Weihnachtsszenen und Mistelzweige, Baumschmuck und Pyramiden -im Weihnachtswunderland gibt es nichts, was es nicht gibt. Ob Traditionalist oder Reformer – für jeden ist etwas dabei. Wer Weihnachtsinspiration sucht, ist gut in einer der Filialen von „Käthe Wohlfahrts Christkindelmarkt“ aufgehoben – und dafür muss er nicht einmal bis Weihnachten warten. Ganzjährig steht ein schier unglaubliches Warenangebot zur Verfügung. Käthe Wohlfahrt und ihr Mann stammen aus dem Erzgebirge, das ja bekanntlich berühmt für seine weihnachtliche Holzkunst ist. Ihre Lebensbahn führte sie in den Westen Deutschlands, im Gepäck eine kleine hölzerne Weihnachtsspieldose. Ein amerikanischer Offizier und seine Familie fanden bei einem Besuch 1963 großen Gefallen an der kleinen Besonderheit und baten darum, ihnen auch eine solche Spieldose zu besorgen. Nicht ganz einfach denn mittlerweile war Weihnachten vorbei. Dennoch ist es uns heute möglich liebevoll handgemachte Weihnachtsdekoration ganzjährig und weltweit zu finden.

Stille Nacht – Weihnachten ist, was Ihr draus macht!

Ohne Frage, auch unser Christfest kann ganz schön schrill sein. Viele hetzen durch die Adventszeit und nie wird mehr gestritten als zum Weihnachtsabend. Doch unser weihnachtliches Brauchtum ist so reich an Geschichte, an Variationen und Besonderheiten, dass es sich doch lohnen sollte, ab und an innezuhalten, Weihnachtsstimmung zu zelebrieren und das Fest im Zeichen von Liebe, Frieden und „Stiller Nacht“ zu begehen.