Stille Nacht! Heilige Nacht! – Komponist Franz-Xaver Gruber

Ende des 18. Jahrhunderts wurde Franz-Xaver Gruber, zur Zeit der Aufklärung, in der Innviertler Gemeinde Hochburg in Österreich geboren. Er verdiente seinen Lebensunterhalt als Dorfschullehrer, Kantor, Organist und Komponist. Er komponierte am 24. Dezember 1818 die Melodie für den Liedtext eines der weltweit bekanntesten Weihnachtslieder: „Stille Nacht! Heilige Nacht!“
Musikerkollegen, die aus dieser Zeit bekannt sind, sind unter anderem Franz Liszt (1811-1886), Anton Bruckner (1824-1896) und Johann Strauss (1825-1899).

Kinderzeit und Jugendjahre im oberösterreichischen Innviertel

Am 25. November 1787 wurde Gruber als Conrad Xavier im Haus Unterweizburg 9 in ärmliche familiäre Verhältnisse hineingeboren. Seinen Vornamen änderte er später nach den Vornamen seines Taufpaten in „Franz-Xaver“ ab.
Der zu dieser Epoche geführte Napoleonische Krieg war ein gefährliches Zeitalter, das Leben war voller Entbehrungen. Wirtschaftlich ging es der Familie, wie vielen anderen auch in diesen Jahren, schlecht. Die Kleinbauern mussten, um ihre Familie ernähren zu können, ein Zubrot verdienen. Sein Vater arbeitete nebenher als Heimweber, um den Unterhalt der Familie aufzubessern. Als das fünfte von sechs Kindern sollte der Bub beim Weben mithelfen. Franz-Xaver arbeitete demnach schon als Kind bis zu seinem 18. Lebensjahr als Weber.

Musikalisches Talent

Franz-Xaver Grubers große Liebe zur Musik war ihm angeboren. Schon als Kind zog die Musik ihn in ihren Bann. Der Schullehrer Andreas Peterlechner erkannte die musikalische Begabung des Jungen früh und förderte sein Talent. Er unterrichtete ihn heimlich und kostenlos im Geigen- und Orgelspiel. Im elften Lebensjahr bekam Franz Xaver sein erstes eigenes Instrument.

Berufung als Lehrer und Organist

Im 18. Lebensjahr Franz-Xavers änderte sich sein Leben von Grund auf. Sein Schullehrer Andreas Peterlechner konnte den Vater endlich von der musikalischen Begabung seines Sohnes überzeugen. Der Vater erlaubte es ihm, die ersehnte Lehrerausbildung zu beginnen. Lehrer wollte er werden, weil zur damaligen Zeit der Schwerpunkt dieser Ausbildung auf musikalischem Gebiet lag. Bevor er mit der Lehrerausbildung begann, nahm er 1804 Unterricht beim Stadtpfarrorganisten Georg Hartdobler in Burghausen.

Beginn des Werdegangs als Komponist

1805 begann Gruber die Volksschullehrerausbildung in Ried im Innkreis. Ein Jahr später machte er dort die Prüfungen. Sein beruflicher Werdegang führte ihn zurück ins oberösterreichische Inntal. Dort schloss er das vorgeschriebene Praxisjahr als Schulgehilfe bei seinem Mentor Peterlechner 1807 erfolgreich ab.

Die erste Anstellung in Arnsdorf

Das Bundesland Salzburg händigte dem 20-jährige Franz-Xaver Gruber am 12. November 1807 das offizielle Ernennungsdekret aus. (Hier galten andere Regeln. Er musste die Prüfung nochmals ablegen.) 1807 trat er seine erste selbstständige Stelle in Arnsdorf als Lehrer, Mesner und Organist an.
In Arnsdorf durfte er einen besonderen Höhepunkt seiner bisherigen Laufbahn erleben. Gruber gestaltete als Leiter des Orchesters das 300-jährige Jubiläum der Wallfahrtskirche „Maria im Mösl“ maßgeblich musikalisch mit. Während der fünftägigen Festivität hörten etwa 20.000 Besucher seine Konzerte, darunter Honoratioren wie Äbte des Klosters Michaelbeuren und des Salzburger Stifts St. Peter.

Frühe Familiengründung

Die Gemeinde Arnsdorf stellt ihm die Mesnerwohnung unter einer zu diesen Zeiten landläufig üblichen Bedingung zur Verfügung: Er muss verheiratet sein. Eine passende Gattin war schnell gefunden. Er heiratete die deutlich ältere Witwe seines Vorgängers: Frau Maria Elisabeth Engelsberger. Zweite Gattin wurde eine ehemalige Schülerin, Maria Breitfuß.
Die wirtschaftliche Lage der Familie war trotz der Ausübung vielfältiger Tätigkeiten nicht als rosig zu bezeichnen. Er übernahm daher 1816 zusätzliche Aufgaben als Kantor und Organist in der St. Nikolaus Kirche in dem vier Kilometer entfernten Oberndorf an der Salzach.

Eine Freundschaft mit Folgen

Seine Liebe zur Musik gab ihm während dieser schweren Zeit in Arnsdorf und Oberndorf sicherlich Zuversicht und Hoffnung. Als Organist in Oberndorf lernte er in der dortigen Pfarrei zufällig den Hilfspriester Joseph Mohr kennen. Der kam nach Oberndorf an der Salzach, weil er das raue Klima seines Wohnortes Lungau nicht vertrug. Sie freundeten sich an. Mohr blieb nur für kurze Zeit in Oberndorf. Schon zwei Jahre später ging er aus Oberndorf weg. Die tiefe Freundschaft der beiden Männer hielt ein Leben lang.

Die Komposition „Stille Nacht! Heilige Nacht“

Aus purem Zufall entstanden Musik und Text für ein Weihnachtslied, das fast die ganze Welt am Heiligen Abend singt. 1818, am Heiligen Abend, funktionierte die Orgel der St. Nikolauskirche in Oberndorf nicht. Diesem Defekt zufolge entstand das Weihnachtslied „Stille Nacht! Heilige Nacht!“. Den Liedtext verfasste Joseph Mohr schon 1816 in Mariapfarr im Lungau. Am 24. Dezember 1818 trug dieser die Bitte an seinen Freund heran, doch zum Text die passende Melodie für Gitarre und für zwei Solostimmen samt Chor zu schreiben. Am Nachmittag des Heiligen Abend komponierte Gruber die heute weltweit bekannte Melodie. Noch am selben Abend sangen die beiden Freunde nach der Christmette in der St. Nikolauskirche, Joseph Mohr begleitete den Gesang auf der Gitarre, das heute wohl bekannteste Weihnachtslied „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ zum ersten Mal. Den Refrain sang der Kirchenchor. Die schlichte, getragene Melodie, die in jedem einzelnen Ton zu hören und zu spüren ist, gefiel der Gemeinde sehr.
Leben und Wirken in Berndorf
Unstimmigkeiten mit seinem Dienstherrn veranlassten Gruber 1829 Arnsdorf zu verlassen.

Er erlangte Kenntnis von einer möglichen Anstellung in Berndorf bei Salzburg. Die Stelle als Chorregent war zu besetzen. Seine Leidenschaft zur Musik bewog ihn, sich um die frei gewordene Stelle des Chorregenten und des Schullehrers der neuen Schule zu bemühen. Eine Schülerschar von 130 Kindern und eine Gemeinde, die Wert auf hervorragende Kirchenmusik legte, erwarteten ihn voller Vorfreude.

Der Ruf nach Hallein

Im Jahr 1835 erreichte ihn das Angebot einer Anstellung in der Stadt Hallein. Er folgte dem Ruf und ging nach Hallein, der zweitgrößten Stadt des Salzburger Landes. Dort wirkte er als Chorregent, Choralist und Organist in der Stadtpfarrkirche. Die Berufung zur Musik schürte seine Leidenschaft, Sänger und Musiker für den Kirchenchor zu gewinnen und auszubilden.

Ehe- und Familienleben

Sein Leben war von Schicksalsschlägen überschattet. Nur vier seiner leiblichen 12 Kinder durften erwachsen werden. Seine zweite Frau starb 1841 in Hallein mit dem Kind bei der Geburt. Aus den Unterlagen der Verlassenschaftsabhandlung lassen sich der Lebensstil und die Wohnverhältnisse des Ehepaares ableiten. Die Wohnung lag im ersten Stock und umfasste ein Wohnzimmer, ein Kinderzimmer, zwei Küchenräume sowie einen Dachboden. Die Einrichtungsgegenstände lassen die bäuerliche Herkunft seiner Gattin erkennen: einfache Biedermeiermöbel, Bauerntruhen, Mehltruhen, Küchengeschirr aus Ton, Strohsäcke und grob gewebte Bettwäsche. Die dritte Ehe führte er ab 1842 mit Katharina Rieser, der Witwe eines Schuhmachermeisters.

Leben und Wirken in Hallein

Während seiner beruflichen Zeit in Hallein übernahm er die Verwaltung zahlreicher Stiftungen und Ämter. Zweien seiner Söhne aus zweiter Ehe vermachte er seine Vorliebe für Musik. Der Ältere Franz Xaver (1826-1871) rief 1847 einen Gesangverein und 1849 die noch heute bestehende Halleiner Liedertafel ins Leben. Der jüngere Sohn Felix (1840-1884) wurde als Chorregent der Nachfolger seines Vaters. Er starb 1863 im Alter von 76 Jahren angesehen und relativ wohlhabend 1863 in Hallein an Altersschwäche. Er hat ein immenses musikalisches Werk hinterlassen.

Authentische Veranlassung zur Echtheit der Geschichte

Die Geschichte der Entstehung des Weihnachtsliedes „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ lässt sich urkundlich beweisen. Zum einen gibt es ein Schriftstück die „Authentische Veranlassung“ von Franz-Xaver Gruber (vorliegend im Stille-Nacht-Archiv in Hallein vom 30. Dezember 1854). Damit liegt die Bestätigung vor, dass die Komposition eindeutig aus der Feder Franz-Xaver Grubers stammt.
Zum anderen durch die eigenhändige Niederschrift (Autograf) von 1823, von Franz Joseph Mohr, die 1995 in Salzburg entdeckt wurde. Es ist das älteste Dokument der Entstehungsgeschichte des Liedes. Besitzer ist der Salzburger Museumsverein.

Dieses Schriftstück beweist, dass Joseph Mohr der Verfasser des Textes ist (mit dem Hinweis mpria = manu propria = aus eigener Hand) und damals Franz-Xaver Gruber bat, die Melodie dazu zu schreiben. Zudem ist Mohr nicht nur der Dichter, sondern spielte Gitarre und sang bei der Uraufführung in der Pfarrkirche St. Nikolaus mit. Warum Mohr das Gedicht geschrieben hat, ist nicht sicher. Viele Legenden erzählen fantasievoll von der Entstehungsgeschichte.

Ein Lied geht um die Welt

Der Orgelbaumeister Karl Mauracher (1789-1844) aus Fügen reparierte die defekte Orgel der St. Nikolauskirche. Er hörte wohl das Lied und nahm es mit in seinen Heimatort Fügen ins Zillertal. Der Kirchenchor in Fügen sang 1819 das Lied zur Christmette. 1822 hörten es Kaiser Franz I. (Österreich) und Zar Alexander I. (Russland) im Kaiserzimmer vorgetragen von den Rainer-Sängern. Es wurde weiter und weiter getragen, sodass es heute weltweit bekannt ist. Es gibt mehr als 300 Übersetzungen in Sprachen und Dialekten.

Der Film zum Lied

Der Fernsehregisseur Franz Xaver Bogner verfilmte eine Legende des Weihnachtsliedes unter dem Titel „Das ewige Lied“.
„“Das ewige Lied“ ist ein moderner Heimatfilm, (…) Und selbstverständlich spielen in einem Film über die Entstehung des Liedes „Stille Nacht, Heilige Nacht“ der Gesang und die Musik eine besondere Rolle.“ (Memento vom 18. April 2013 im Webarchiv archive.is), arte.tv

Kulturerbe des deutschen Sprachraums

Das Lied „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ hat die österreichische UNESCO-Kommission im März 2011 in die Liste des immateriellen Kulturerbes Österreichs und somit als Repräsentant für den gesamten deutschen Sprachraum, aufgenommen.