Stille Nacht verbindet

Als am Weihnachtsabend 1818 das Lied zum ersten Mal in einer kleinen Kapelle im Salzburger Land erklang, konnte niemand ahnen, welchen Weg „Stille Nacht, heilige Nacht“ nehmen würde. Heute, zu seinem 200. Geburtstag, ist es zu einem in mehr als dreihundert Sprachen übersetzten Volkslied geworden. Außerdem wurde das beliebte Weihnachtslied von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe Österreichs ernannt und bildet eine jahrhundertelange Friedensbotschaft. Seine immer noch außergewöhnliche Wirkung zeigt sich im Jubiläumsjahr 2018 besonders. Eine Vielzahl von Feiern, Sonderausstellungen und Aktionen zur Advents- und Weihnachtszeit in diesem Jahr beweisen, dass das unscheinbare Weihnachtslied, die ‚einfache Composition’, auch heute noch leistet, was seine Erschaffer vor zweihundert Jahren beabsichtigt hatten: Es ist ein Symbol, das Menschen auf der ganzen Welt zusammenbringt – Stille Nacht verbindet auch im 21. Jahrhundert.

Eine Friedensbotschaft aus dem einfachen Volk

Um die Entstehung des Liedes rankte sich schon bald eine Unzahl von Legenden und Mythen, während das Werk zugleich bereits kurz nach seiner Komposition von vielen für ein altes Volkslied gehalten wurde. Doch seine Geschichte kommt wie die seiner Schöpfer ganz ohne Mythen aus und ist zugleich inspirierend und symbolisch für die Wirkung des berühmtesten Weihnachtslieds der Welt: Der Oberndorfer Hilfspfarrer Joseph Mohr verfasste im Jahr 1816 den Text als Gedicht, nach dem Ende der Napoleonischen Kriege, die unter gewaltigen menschlichen Verlusten Europa verwüstet hatten, und nach dem Wiener Kongress, auf dem durch die europäischen Großmächte viele Ländergrenzen eigenmächtig neu gezogen wurden. Der Mann, den Mohr bat, das Gedicht zu vertonen, der Arnsberger Schullehrer und Kantor Franz Xaver Gruber, war als Sohn eines Leinenwebers ebenso ärmlicher Herkunft wie Mohr, der als uneheliches Kind erst durch päpstliche Sondergenehmigung in den geistlichen Dienst aufgenommen werden konnte. So erschufen zwei Leute aus dem einfachen Volk im Salzburger Land in schweren Zeiten ein Lied, dem es gelingen sollte, jenseits aller gesellschaftlichen und politischen Wirrungen die Menschen im Trost der Weihnachtsbotschaft zu vereinen.

Vom Salzburger Land in die Welt

Innerhalb kürzester Zeit verbreitete sich das neue Weihnachtslied. Schon im Jahr nach seiner Entstehung wurde es im Zillertal aufgeführt, wenige Jahre danach in Leipzig und bald im ganzen deutschsprachigen Raum. Es fand seinen Weg nach Übersee – bereits 1839 war es Teil eines Konzerts in den USA – und schließlich um die Welt. Seine Wirkung überdauerte: In beiden Weltkriegen wurde es zu einem Symbol für den Friedenswunsch in einer von Gewalt gezeichneten Welt. Von den christlichen Gemeinden, für die Mohr und Gruber das Lied verfasst hatten und über die deutschen und englischen Soldaten in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs spannt sich der Bogen der Friedensbotschaft der bescheidenen Komposition aus dem Salzburger Land bis in die Gegenwart. Und das Jubiläumsjahr 2018 bietet vielfältige Möglichkeiten, Menschen im Zeichen des berühmtesten Weihnachtslieds der Welt zusammenzubringen – vom wissenschaftlichen Symposium über Theaterstücke und Konzerte bis zum Stille Nacht Scout.

Stille Nacht-Orte

Von Oberndorf im Norden Salzburgs bis Wagrain südlich von Bischofshofen zieht sich eine ganze Reihe historischer Orte, die die Entstehung des Liedes und den Lebensweg seiner Schöpfer dokumentieren. Für das große Jubiläum haben viele von ihnen permanente Ausstellungen erneuert und neue eingerichtet. So finden im Advent in Arnsdorf Gruppenführungen durch die – noch immer als solche genutzte – Volksschule, in der Franz Xaver Gruber wirkte und auch wohnte. In den ehemaligen Wohnräumen befindet sich das Stille-Nacht-Museum, das die einfachen Lebensumstände des Lehrers und Komponisten wiederauferstehen lässt. Am Weihnachtsabend kann man über den Gruber-Mohr-Gedenkweg ins benachbarte Oberndorf spazieren, wo Joseph Mohr 1818 lebte: Nach einer Krippenandacht in der Arnsdorfer Wallfahrtskirche Maria im Mösl führt eine Fackelwanderung nach Oberndorf, wo an der Stelle der Anfang des 20. Jahrhunderts abgerissenen Kapelle, in der Mohr als Hilfspfarrer und Gruber als Organist tätig war, heute die Stille-Nacht-Kapelle steht.

Ebenfalls im Grenzort Oberndorf sowie in seinem deutschen Nachbarstädtchen Laufen – die Orte wurden durch den Wiener Kongress zwischen Bayern und Österreich aufgeteilt – wird Anfang Dezember 2018 das Historienspiel „Stille Nacht Heilige Nacht! – Die der Welt Hoffnung gebracht“ aufgeführt, welches die Komposition des Lieds in den historischen Kontext der Zeit, die Grausamkeit der Napoleonischen Kriege und deren Auswirkungen auf die einheimische Bevölkerung einbettet. Ein besonderes Finale bietet die Aufführung des Weihnachtslieds durch eine Vielzahl von Gesangsgruppen aus aller Welt in ihrer jeweiligen Landessprache.
Etwas weiter nördlich, im Benediktinerkloster Michaelbeuren, veranstaltet die Salzburger Bachgesellschaft gemeinsam mit dem Arbeitsschwerpunkt Salzburger Musikgeschichte der Universität Mozarteum Salzburg ein wissenschaftliches Symposium unter dem Titel „Wege zu Stille Nacht – Zur Vor- und Nachgeschichte einer ‚einfachen Composition’“. Thematisiert werden neben dem Werk selbst allgemeine Themen der Kirchenmusik, ihrer Verwendung und sogar der historischen Debatte um die Frage, ob Musik im Gottesdienst erlaubt sein sollte.
Die Stadt Hintersee, in der Mohr zehn Jahre tätig war, weihte im Sommer 2018 einen Gedächtnisweg zu dessen Ehren ein. Die multimedialen und interaktiven Stationen des Themenwegs führen zur 2016 neu errichteten Joseph-Mohr-Gedächtniskapelle. An Freitagnächten werden auch für diesen Weg Fackelwanderungen angeboten. (Detaillierte Auskunft erhalten Sie telefonisch unter +43-6226-838411 und unter www.fuschlseeregion.com.)

In Mariapfarr, wo Joseph Mohr 1816 sein berühmtes Gedicht schrieb, gibt es, ebenso wie in Wagrein, seinem letzten Wohnort, ein Stille-Nacht-Museum mit Ausstellungen zum Jubiläumsjahr.

Das Dorf Hallein, dem Franz Xaver Gruber von 1833 an als Chorregent diente und wo er bis zu seinem Tode lebte, weiht am 25. November eine neue Kirchenorgel ein. An Weihnachten findet außerdem an der letzten Ruhestätte des Komponisten das „Singen am Grubergrab“ statt.

Mehr Einzelheiten über die vielen kleinen und großen Events, die zum Jubiläum des Werks in den Stille Nacht-Orten im Salzburger Land stattfinden, gibt es unter https://www.stillenacht.com/de/stille-nacht-orte/salzburgerland.

Stille Nacht in Salzburg

Aber nicht nur das Salzburger Land, auch die Stadt Salzburg selbst zelebriert den 200-jährigen Geburtstag von Mohrs und Grubers Komposition. Im Advent werden Stille-Nacht-Führungen angeboten, die das Lied und seine Entstehung in der Salzburger Stadtgeschichte verorten. Berührungspunkte sind beispielsweise der Salzburger Dom, in dem Joseph Mohr getauft wurde. (Mehr Informationen über Preise und Konditionen unter http://www.salzburg-experience.at; Touren können gebucht werden unter +43-699-188-20001). Darüber hinaus präsentiert das Salzburg-Museum eine Sonderausstellung unter dem Titel „Stille Nacht 200 – Geschichte. Botschaft. Gegenwart.“ (http://www.salzburgmuseum.at) und, speziell für Kinder, die interaktive Ausstellung „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ für Kinder“ (http://www.spielzeugmuseum.at). Beide Veranstaltungen sind ab dem 27. November 2018 geöffnet.
In der Salzburger Felsenreitschule kommt am 24. November das Musical „Meine Stille Nacht“ zur Uraufführung. Ganz im Geiste des namensgebenden Werks, erzählt das von John Debney komponierte Stück von der Überwindung von Differenzen und dem Erwachsen von Verbundenheit unter den acht Protagonisten, die sich auf das näher rückende Weihnachtsfest vorbereiten. Künstler des Mozarteumorchesters Salzburg und des Salzburger Landestheaters stellen damit – anders als das Historienspiel in Oberndorf und Laufen – weniger die Entstehungsgeschichte von „Stille Nacht, heilige Nacht“ dar, sondern bringen vielmehr eine Variation auf die Bedeutung des Liedes auf die Bühne, eingebettet in die moderne Situation gesellschaftlicher Vereinzelung.

…und darüber hinaus

All diese Aktivitäten sind Teil überregionaler Feierlichkeiten, die unter dem Namen „200 Jahre Stille Nacht! Heilige Nacht! – Österreichs Friedensbotschaft an die Welt“ zusammengefasst sind. Die gesamte Aktion läuft vom 29. September 2018 bis zum 3. Februar 2019. Neben Orten im Salzburger Land wie Wagrain und Mariapfarr, die mit der Entstehung von „Stille Nacht, heilige Nacht“ zu tun haben, ist auch Franz Xaver Grubers Heimatstadt Hochburg-Ach in Oberösterreich an der Aktion beteiligt sowie das Zillertaler Städtchen Fügen in Tirol, wo die Verbreitung des Liedes ihren Anfang nahm. Zur Orientierung über alle stattfindenden Aktivitäten für Individual- und Gruppentouristen bieten die Veranstalter die App „Wege zur Stillen Nacht“ an, die für Apple (https://itunes.apple.com/at/app/wege-zur-stillen-nacht/id1383282160?mt=8) und Android (https://play.google.com/store/apps/details?id=com.xamoom.android.stillenacht) heruntergeladen werden kann. Eintrittskarten für alle teilnehmenden Museen und Erinnerungsorte sind unter http://www.landesausstellung2018.at erhältlich, relevante Information bekommen Sie telefonisch unter +43-662-8042-2018. Einen Kalender mit einer Vielzahl offizieller Veranstaltungen im Salzburger Land finden Sie unter http://www.stillenacht.at/de/veranstaltungen.asp.

Weitere Ausstellungen gibt es im Schlossmuseum Linz („200 Jahre ‚Stille Nacht! Heilige Nacht!’ – 135 Jahre ‚Es wird scho glei dumper’ – Zur Geschichte der weihnachtlichen Liedkultur in Oberösterreich“ vom 2. Dezember 2018 bis zum 2. Februar 2019) sowie im Museum Innviertler Volkskundehaus vom 22. November 2018 bis zum 2. Februar 2019.

Informiert und unterhalten durch die Stille-Nacht-Scouts

Um Ihnen die facettenreichen Fakten und Legenden rund um „Stille Nacht, heilige Nacht“ kompetent und abwechslungsreich nahe zu bringen, haben die Organisatoren in und um Salzburg eine Vielzahl freiwilliger Helfer ausgebildet, die den Besuchern in der Region als Stille-Nacht-Scouts zur Verfügung stehen (siehe hierzu https://service.salzburg.gv.at/lkorrj/Index?cmd=detail_ind&nachrid=59207). Zahlreiche Fremdenführer, Lehrerinnen und Lehrer sowie ehrenamtliche Helfer haben im Frühsommer 2018 die Kurse des Landes Salzburg und der Salzburger Land Tourismus GmbH belegt. Mit Informationen und Anekdoten rund um das Lied und seine Schöpfer, seine Entstehung, Verbreitung und andauernde Wirkung sowie um die Region, in der es entstand, fördern sie engagiert die ursprüngliche Mission, die hinter dem Werk steht: Menschen über Grenzen hinweg und im Geist wechselseitiger Hilfe und Unterstützung zu verbinden, sie zusammenzubringen in der Feier der weihnachtlichen Botschaft und in der weltumspannenden Wirkung des Liedes als Symbol für ein friedliches Miteinander. Denn hinter den unzähligen Veranstaltungen in und um Salzburg steht auch eine tiefere Absicht – das Bemühen um eine Beförderung der Völkerverständigung.

Eine Friedensbotschaft, heute wie vor zweihundert Jahren

Was vor zwei Jahrhunderten in einem armen Bauerndorf im Salzburger Land als Lied für einen Weihnachtsgottesdienst in der kleinen Dorfkapelle begann, ist durch seine Worte und seine besinnliche Melodie zu einem Werk geworden, das einerseits die Absichten seiner Erschaffer widerspiegelt – die Notwendigkeit der Rückbesinnung auf Menschlichkeit in einer gewalttätigen Welt –, andererseits aber eine Wirkung entfaltete, die weder Joseph Mohr noch Franz Xaver Gruber voraussehen konnten. Zu dieser übergreifenden Bedeutung findet ab dem Herbst 2018 eine Reihe von Workshops als sogenannte „Leuchtturmprojekte“ statt, die laut den Veranstaltern die „eigentliche Botschaft des Liedes im Kontext unserer heutigen Gesellschaft“ vermitteln sollen. Den Anfang macht vom 15. bis zum 17. Oktober das FriedensBüro Salzburg mit dem Symposium „Kultur(en) des Friedens. harmonie. spannung. widerstand“ (http://www.friedensbuero.at/veranstaltungen/friedenstagung). Es folgt unter dem Titel „Kultur des Friedens“ der von der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen am 29. und 30. November veranstaltete zweitägige Workshop zum Thema „Zukunft: International – Völkerverständigung heute“ (https://jungk-bibliothek.org/?s=völkerverständigung). Daneben trägt unter anderem die Plattform Menschenrechte eine Reihe von Workshops und Vorträgen bei, die die Umsetzung der Friedensbotschaft von „Stille Nacht, heilige Nacht“ in der regionalen Menschenrechts- und Flüchtlingsarbeit herausstreichen.

200 Jahre „Stille Nacht, heilige Nacht“ – Kultur und Geschichte, Besinnlichkeit und Engagement

Eine Vielzahl von Aktivitäten erwartet die Besucher zum 200-jährigen Jubiläum des berühmtesten Weihnachtslieds der Geschichte in Salzburg und Umgebung. Vom Museumsbesuch zur nächtlichen Fackelwanderung, vom Historienspiel zum Workshop – Geschichte und Wirkung des Werks werden in all seinen zahlreichen Facetten beleuchtet. Das bescheidene Lied wird als Beispiel ländlicher Kirchenmusik ebenso vorgestellt wie als Kulturerbe, als pazifistisches Symbol genauso wie als allgegenwärtiges Volkslied. Vom Herbst 2018 an bis zum Ende der Landesausstellung im Februar 2019 ist in den Feierlichkeiten um die Entstehung von Joseph Mohrs und Franz Xaver Grubers kleinem Lied für jeden Geschmack etwas dabei.