Joseph Mohr – Verfasser des berühmten Weihnachtsliedes „Stille Nacht“

Joseph Mohr wurde am 11. Dezember 1792 in Salzburg geboren. Er war das Kind der Strickerin Anna Schoibor und des fahnenflüchtigen Musketiers Franz Joseph Mohr. Josephus Franciscus kam unehelich zur Welt und erhielt deshalb den Namen seines Vaters. Seine Mutter gebar insgesamt vier uneheliche Kinder. Bekannt wurde Joseph Mohr als Textdichter des Weihnachtsliedes „Stille Nacht, heilige Nacht“.

Aus ärmlichen Verhältnissen zur Priesterweihe

Seine Kindheit verlebte der Knabe in ärmlichen Verhältnissen. Der Salzburger Domvikar Johann Nepomuk Hiernle erkannte aber die musischen Talente des Jungen und unterrichtete ihn im Spiel der Orgel, Violine sowie Gitarre. Joseph konnte das akademische Gymnasium besuchen. Als Geiger und Sopransänger in den Chören der Universität sowie des Stifts St. Peter verdiente er sich zunächst seinen Lebensunterhalt. Später absolvierte er Studien am Lyzeum des Benediktinerstifts in Kremsmünster. Im Jahr 1811 wurde Joseph Mohr in das Salzburger Priesterseminar aufgenommen. Seine vierjährige theologische Ausbildung beendete er mit einem erstklassigen Zeugnis und erhielt so im August 1815 die Weihe als katholischer Priester.

Als die Orgel ausfiel, musste improvisiert werden

Kurzzeitig arbeitete er als Hilfspriester bei Berchtesgaden sowie Vikar in Mariapfarr, wo sein Vater herstammte. Um die Gesundheit des jungen Mannes stand es aber nicht gut, sodass er einen Erholungsurlaub in Salzburg benötigte. 1817 übte Joseph Mohr kirchliche Tätigkeiten in Oberndorf bei Salzburg aus, wo er den Lehrer und Organisten Franz Xaver Gruber kennenlernte. Dieser war an der nahe gelegenen Wallfahrtskirche Arnsdorf tätig und betreute darüber hinaus den Oberndorfer Kirchenchor. Beide Männer freundeten sich an. Vor dem Weihnachtsfest fiel die Orgel aus, es musste improvisiert werden. Mohr schrieb einen eingängigen Liedtext in sechs Strophen. Gruber komponierte die passende Melodie dazu. So wurde das entstandene Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“ pünktlich zum Fest in der Oberndorfer Kirche St. Nikola erstmalig aufgeführt.

Das neue Kirchenlied fand sofort Anklang

Franz Xaver Gruber schrieb über dieses Ereignis in der sogenannten „Authentischen Veranlassung“ am Ende des Jahres 1854: „Es war am 24. Dezember des Jahres 1818, als der damalige Hilfspriester Herr Josef Mohr bei unserer neu errichteten Pfarre St. Nicola in Oberndorf dem Organistendienst vertretenden Franz Gruber (damals zugleich auch Schullehrer in Arnsdorf) ein Gedicht überreichte, mit dem Ansuchen eine hierauf passende Melodie für 2 Solostimmen sammt Chor und für eine Guitarre-Begleitung schreiben zu wollen.“ Erst im Verlauf des 24. Dezember 1818 soll Gruber Mohr seine Komposition übergeben haben. Offensichtlich fand sie beim Textdichter und auch unter der Oberndorfer Bevölkerung sofort Anklang.

Möglicherweise entstand der Text schon 1816

Ein 1995 aufgefundenes Dokument lässt die Vermutung zu, dass Joseph Mohr den Text des Liedes „Stille Nacht, heilige Nacht“ bereits 1816 geschrieben haben könnte. Um diese Zeit hielt er sich in Mariapfarr auf. Das Schriftstück trägt den Vermerk „Text von Joseph Mohr mpia Coadjutor 1816“. Mit dieser Zeitangabe ist wahrscheinlich das Entstehen des Textes gemeint. Ebenso findet sich dort ein Hinweis auf die Urheberschaft der Komposition – „Melodie von Fr: Xav: Gruber“.

Die Wege der Freunde Mohr und Gruber trennten sich

Der Überlieferung nach sang Joseph Mohr die Tenorstimme und spielte auf der Gitarre. Franz Xaver Gruber übernahm die Bassstimme. Der Kirchenchor sang die Wiederholung am Ende einer jeden Strophe. Leider gilt die Urschrift des Textes als verschollen. Das Stille-Nacht-Archiv des Keltenmuseums in Hallein bewahrt noch die originalen Autographen des Komponisten Gruber auf. Dieser hatte eine sehr erfolgreiche Laufbahn als Kirchenmusiker eingeschlagen. Bald trennten sich so die Wege der beiden Freunde. Joseph Mohr wirkte als Seelsorger in verschiedenen Gemeinden. 1827 ging er nach Hintersee, wo der Geistliche zum ersten Mal eine Pfarrei selbst verantwortete. Zehn Jahre darauf gelangte er in das reizvolle Bergdorf Wagrain und war dort bis an sein Lebensende als Vikar tätig. Er initiierte den Bau eines Schulhauses, engagierte sich für die Armenpflege. Weitgehend anerkannt und beliebt, starb Joseph Mohr in Wagrain am 4. Dezember 1848 nach einem Lungenleiden.

1866: Aufnahme in das Salzburger Kirchenliederbuch

Auch wenn „Stille Nacht, heilige Nacht“ bis heute bei keinem Weihnachtsfest fehlen darf, waren die Namen seiner Schöpfer bereits relativ kurz nach der Entstehungszeit so gut wie in Vergessenheit geraten. Die zeitgenössischen Überlieferungen belegen eine große Beliebtheit des Liedes, doch Verweise auf Textdichter und Komponist waren kaum zu finden. In Salzburg selbst waren Mitte des 19. Jahrhunderts spezielle Nachforschungen erforderlich, um die Schöpfer des Liedes namentlich benennen zu können. Auch aus diesen Gründen schrieb Franz Xaver Gruber im Jahr 1854 seine „Authentische Veranlassung“, mit der die Entstehungsgeschichte des Werkes festgehalten wurde. Erst weitere zwölf Jahre später, 1866, fand „Stille Nacht“ Eingang in ein öffentliches Salzburger Kirchenliederbuch.

In Windeseile kam das Lied nach Tirol

Im Gegensatz dazu hatte „Stille Nacht“ das Zillertal in Tirol wie mit Windeseile erobert. So soll das neue Weihnachtslied bereits im Jahr 1819 in der Kirche zu Fügen gespielt und gesungen worden sein. Drei Jahre darauf erklang es dem Vernehmen nach im Fügener Schloss des Grafen Dönhoff, als sich dort Kaiser Franz von Österreich und der russische Zar Alexander aufhielten. Eine Niederschrift von „Stille Nacht“ im Kirchenliederbuch des Organisten und Lehrers Blasius Wimmer in Waidring/Tirol datiert auf den 22. Juli 1819. Vermutlich hat der Zillertaler Orgelbauer Carl Mauracher zur Verbreitung des Liedes maßgeblich beigetragen. Er war mutmaßlich 1821 mit Reparaturarbeiten an der Orgel in Arnsdorf beschäftigt, einer Wirkungsstätte Franz Xaver Grubers. Außerdem soll Mauracher im Jahr 1825 eine neue Orgel in Oberndorf gebaut haben. Dort ist er dem Komponisten Gruber mit großer Sicherheit ebenfalls begegnet.

Tiroler Sängerfamilie Rainer trat 1839 in New York auf

Die Sängerfamilien Rainer (Fügen) und Strasser (Laimach) dürften gleichfalls wesentlich zu wachsender Bekanntheit des Liedes beigetragen haben. Sie unternahmen in den 1820er Jahren recht ausgedehnte Reisen durch Deutschland und England. Ab wann sie aber „Stille Nacht“ im Repertoire hatten, ist nicht bekannt. Nachgewiesen ist jedoch eine Aufführung des Liedes durch die Geschwister Strasser im Jahr 1832 in Leipzig. Das „Leipziger Tagblatt“ berichtete darüber: „Auch hatten die Sänger dem in diesem Blatte ausgesprochenen Wunsche, das schöne Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“ vorzutragen, freundlich entsprochen.“ Die Rainer-Sänger reisten 1839 sogar nach Amerika. Wenn die Berichte stimmen, dauert ihre Tournee bis 1843. „Stille Nacht“ sollen sie am Weihnachtstag 1839 vor dem Alexander Hamilton Memorial auf dem Friedhofsgelände der Trinity Church in New York aufgeführt haben. An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert war „Silent Night“ dank kirchlicher Missionare auf allen Kontinenten in aller Munde. Mittlerweile ist das berühmte Weihnachtslied in mehr als 300 Sprachen und Dialekte übersetzt worden.