Stille Nacht weltweit – ein Lied geht um alle Kontinente

Aus einer tiefen Sehnsucht nach Frieden heraus schrieb der Liedtexter Joseph Mohr vor 200 Jahren den Text zum heute weltweit bekanntesten Weihnachtslied. Zwei Jahre später komponierte Franz Xaver Gruber die passenden Noten dazu und die gesungene Friedensbotschaft verbreitet sich weltweit. Der Sinn des Liedes ist in unseren Zeiten nicht nur zu Weihnachten für viele Völker tiefer denn je.

Aktuelle Verbreitung des Weihnachtsliedes Stille Nacht

Lokal war das Weihnachtslied im Zillertal zunächst im Wirkungsfeld des Texters und des Komponisten bekannt. Die Spur zu seiner Herkunft verlor sich sogar in den ersten Jahrzehnten. Dann allerdings wurde es schon so oft gesungen, dass es in Salzburg 1866 erstmals in ein Liederbuch mit Kirchenliedern aufgenommen wurde. Kaiser und Fürsten trugen den Liedvortrag ihren Hofkapellen auf. Priester und Kirchgemeinden empfanden es rasch als selbstverständlich, am Heiligabend Stille Nacht zu singen. Nach und nach lernten auch Menschen außerhalb von Tirol das Weihnachtslied kennen und lieben. Allerdings wurde es zunächst nicht schriftlich überliefert. Vielmehr kamen reisende Sängergruppen in verschiedene europäische Länder. Wenn die Lichter am Weihnachtsbaum entzündet wurden, sangen sie ihre Friedensbotschaft.

Die Mächtigen jener Ursprungszeit verlangten bald regelrecht nach dem Lied. Zeitschriften berichteten davon. Die Reisen der Sänger führten auch aus Europa hinaus zu anderen Kontinenten. Spätestens aus der Mitte des 19. Jahrhunderts finden sich Übersetzungen in die englische Sprache. Außer den Sängern verbreiteten auch Missionare das Weihnachtslied. Übersetzungen sind inzwischen in mehr als 300 Sprachen bekannt. Sogar in spezielle Dialekte wurde der Text übertragen. Es ist vermutlich die tiefe Harmonie aus einem weltweit bedeutsamen Text und einer schönen Melodie, welche Menschen aller Länder derart fasziniert. Der Wunsch weltweit nach Frieden und Stille steckt beinahe schlicht in den Zeilen. Selbst, wenn sich dies eines Tages erfüllt, wird Stille Nacht weiterhin allen Menschen aus der Seele sprechen – weit über Kirchengrenzen hinaus.
Stille Nacht in Amerika

In Amerika konnten die Schöpfer ihr Weihnachtslied nicht mehr selbst vortragen. Allerdings war es 1965 schon derart bekannt und beliebt, dass mehr als zwei Millionen Menschen zu Weihnachten nach Dallas pilgerten, nur um die Gitarre zu sehen, auf der das Lied einst zuerst gespielt wurde. An jenem Weihnachtsabend gab es eine englische Textversion „Silent night! Holy night!“ schon einige Jahre. Dallas blieb allerdings nicht der einzige Ausstellungsort für die Gitarre. Mit der Verbreitung des Liedes kam sie anschließend nach Montreal in Kanada und kehrte erst danach in die damalige Heimat Westberlin zurück. Inzwischen haben die derzeitigen Besitzer, die Gemeindevertretung von Hallein, weitere Reisen des Instruments untersagt. Das Lied, welches darauf entstand, lässt sich allerdings nicht in einem Museum eingrenzen.

Außer durch Reisende kamen die heute gesungenen sechs Strophen des Liedes auch durch deutsche und europäische Auswanderer auf den Kontinent. An Bedeutung hat es seither höchstens noch zugenommen. Amerika heute – in diesem Land liegen Wohlstand und Frieden mit Gewalt und Unruhe eng beieinander. Völkergruppen auch von anderen Kontinenten versuchen, einander zu dominieren. Rassismus, hohe Kriminalität und ein für viele nachteiliges Sozialsystem bestimmen den amerikanischen Alltag. Umso inniger singen zu Weihnachten Betroffene und Angehörige die Friedensbotschaft in ihrer Sprache. Die Verbreitung lässt sich sowohl in den nordamerikanischen Bundesstaaten als auch in Ländern Südamerikas nachweisen.

Stille Nacht in Afrika

Auf den heißen Kontinent gelangte das Weihnachtslied durch Missionare. Zuerst sangen die Suahelis drei der sechs Strophen unter Palmen statt unter dem Weihnachtsbaum. Wo es keine Bäume oder Palmen gibt, finden sich die Afrikaner einfach im Wüstensand oder ihren Lehmhütten zusammen, um gemeinsam ihren Weihnachtswunsch für Frieden und eine bessere Zukunft zu singen. Die Hauptübersetzung auf dem afrikanischen Kontinent ist Afrikaans, eine von vielen englischen Sprachen. Allerdings werden in Ostafrika auch einige heimische Dialekte des Liedes gesungen. Auch ist die Beliebtheit in Afrika nicht auf missionierte Regionen beschränkt. Wer die Zeilen singt, fühlt sich von der Hoffnung in den Strophen angesteckt. Somit singen auch Menschen anderer Glaubensrichtungen alle Jahre zu Weihnachten ihre afrikanische Version mit ganzer Hingabe.

Gesang hat auf diesem heißen Kontinent eine tiefe, uralte Tradition. Beten und bitten spielt für afrikanische Völker eine ursprüngliche Rolle. Die Menschen singen in Trauer ebenso wie in Freude. Sie tanzen in kriegerischen Zeiten um Frieden und freuen sich mit Tänzen in Friedenszeiten über die erreichte Stille. Da wundert es nicht, dass das aus Deutschland importierte Weihnachtslied sofort aufgenommen wurde. Zwar gibt es auch in Afrikaans die Zeilen „Christ the Savior is here!“. Weil aber die Friedensbotschaft in allen Glauben gleich bedeutsam ist, stören sich afrikanische Sänger nicht an der Eingrenzung einer Erlösung auf die christliche Kirche. Vielmehr ist hier die tiefe Sehnsucht die nach guter Ernte, Frieden und einer Zukunft ohne die derzeitigen afrikanischen Konflikte.

Stille Nacht in Asien

In vielen Ländern Asiens herrschen andere Glauben und Lehren als der christliche vor. Doch auch in diesen anderen Religionen spielen Frieden und Harmonie eine zentrale Rolle. Die Menschen hier glauben daran, dass innere Ruhe nur möglich ist, wenn diese auch von außen erzielt wird. Wer das Weihnachtslied anstimmt, bringt sich und andere Sänger über die gediegene Melodie in Einklang. Glaube und Sprache stehen in ganz Asien in engem Zusammenhang. Wer eine dieser asiatischen Sprachen erlernen möchte, muss automatisch auch singen lernen. Denn nur über melodische Ausdrucksweise sind viele Silben und Wörter überhaupt zu verstehen. Möglicherweise war es die Nähe der Melodie zur Sprache, die das Weihnachtslied in Asien zum Hit gemacht hat. Auf jeden Fall gehört es auch dort inzwischen zu den beliebtesten Weihnachtsliedern.

In Japan gibt es lediglich drei Strophen des Liedes. Die erste Strophe beginnt mit den Worten „Kiyoshi kono yoru hoshi wa hikari“. Jede Strophe besteht aus lediglich drei Zeilen, bedingt durch die Landessprache, die an sich bereits melodisch aufgebaut ist. In der letzten Strophe freuen sich die Japaner schließlich: „kagayakeri, hogarakani.“ Asien ist wie andere Kontinente von starken sozialen Unterschieden und kriegerischen Konflikten geprägt. In den vergangenen Jahrhunderten litten viele Völker unter Gewaltherrschaften. Im aktuellen Jahrhundert stehen sie im Wettkampf um Märkte und Wohlstand und weiterhin um Frieden. Die tiefe Sehnsucht nach wenigstens einigen Tagen Ruhe, die im deutschen Lied ausgedrückt wird, spricht also auch hier den Menschen förmlich aus dem Herzen.

Stille Nacht in Europa

Vom Zillertal gelangte Stille Nacht sehr rasch zu anderen Ländern Europas. Allerdings erlebte der Texter jener Friedensbotschaft den Siegeszug seines Liedes nicht mehr mit. Sobald die Melodie in einem Land Europas nur einmal erklang, applaudierten die Zuschauer, fühlten sich verstanden und wollten das Lied immer wieder hören. Lange, bevor die UNESCO es zum immateriellen Kulturerbe erklärte, war es für die Mächtigen jener Jahrzehnte bereits fester Bestandteil ihrer Weihnachtsprogramme. Es schallte durch Kirchen, Opernhäuser und auf Privatkonzerten. Während arme Menschen stets den Wunsch nach satteren und stillen Zeiten damit verbanden, wünschten sich die Mächtigen, dass ihre bereits eingetretenen satten Zeiten bitte bestehen bleiben sollten. Hinzu kommt in Europa die besondere Nähe zur katholischen Kirche.

In Frankreich sind in leicht veränderter Textversion vier Strophen des Liedes „Ô nuit de paix, Sainte nuit“ bekannt. Die Niederländer beenden das Lied nach drei Strophen mit „Amen, Gode zij eer!“ Durch die Gründung der Europäischen Union scheint ein Teil der Friedensbotschaft, nämlich die Zeile „Jesus die Völker der Welt“, mindestens für einige Staaten erreicht zu sein. Allerdings gibt es auch im modernen Europa zig Konflikte, durch welche Menschen in Unruhe geraten oder gar zu Schaden kommen. Somit bleibt das gesungene Weihnachtsgebet weltweit wie in Europa ungebrochen bedeutsam. Die hohe Bekanntheit lässt sich hier ganz einfach testen. Wer nur die Melodie ansummt, bekommt sofort den entsprechenden Text in der jeweiligen Landessprache mitgesungen.

Stille Nacht in Skandinavien

Geschichtlich betrachtet gibt es in Skandinavien sowohl demokratisch regierte Staaten als auch Länder mit einer Monarchie. Zum erbetenen Frieden aus dem Lied Stille Nacht hat dies aber bis heute nur teilweise geführt. Verglichen mit anderen Ländern können die nordischen Staaten als fortschrittlich bezeichnet werden. Das ändert aber nichts daran, dass es auch hier sehr arme Menschen in sozial sehr angespannter Lebenssituation gibt. Gesungen wird zu Weihnachten selbstverständlich auch in Norwegen nicht nur in den Kirchen, sondern auch unter dem heimischen Weihnachtsbaum das Lied mit der Bitte um Erlösung. Hier erklingen die ersten Zeilen so: „Glade jul, hellige jul! Engler daler ned i skjul.“ Denn solange in Nachbarländern oder auf anderen Kontinenten Konflikte schwelen, besteht das Risiko auch für diese Staaten.

Derzeit erleben skandinavische Länder wie auch europäische Länder eine besonders hohe Zuwanderungswelle. Hinzu kommt beispielsweise in Schweden eine schwer einzudämmende Kriminalität. Dies macht die Friedensbotschaft – auch hier mit der Bitte, doch die Völker der Erde in Frieden zu führen, für die Einheimischen ebenso bedeutsam wie für die Flüchtlinge, die hier auf ein besseres Leben hoffen. Ein enger Zusammenhang besteht hier auch klimatisch bedingt zwischen Weihnachten und dem Lied Stille Nacht.

Stille Nacht in Australien

Wenn in Deutschland Weihnachten ist, strahlt auf dem australischen Kontinent die Sonne unerbittlich herab. Dennoch ist es vor allem zugewanderten Australiern wichtig, am Heiligabend „Silent night! Holy night!“ zu singen – hier eben im T-Shirt und bestenfalls an einem sommerlichen Strand. Konflikte zwischen Einwanderern und Einheimischen bestehen aktuell eher in geringem Ausmaß. Wirtschaftlich betrachtet geht es den sechs australischen Ländern und zwei Territorien gut. Aus der Geschichte ist allerdings bekannt, dass sich solche vergleichsweise stabilen Zeiten rasch ändern können.

Fazit:

Das Lied Stille Nacht hat sich seit 200 Jahren in über 300 Länder verbreitet. Heute wird es auf allen Kontinenten gesungen. Die Beliebtheit als Kulturerbe hat viel mit dem tiefen Sinn des Textes zu tun. Denn Frieden, Ruhe und Wohlstand sind bis heute weltweit nicht selbstverständlich.